Geschichte der Jesuitenkirche

 

  

 
Liebe Besucherinnen und Besucher der Jesuitenkirche Mannheim!
 
Ich begrüße sie als katholischer Stadtdekan von Mannheim und leitender Pfarrer an der Jesuitenkirche ganz herzlich in der "Basilica Carolina" ,wie dieses Kirche nach dem kurfürstlichen Erbauer Karl Phillip und Karl Theodor auch genannt wird.
 
Diese wunderschöne Barockkirche ragt seit 260 Jahren als ein Ausrufezeichen Gottes über die Dächer von Mannheim hinaus.
Das innere dieser Kirche will eine Ahnung vom "himmlischen Jerusalem" vermitteln und ist durchweg vom Geist unzähliger Beter und Gottessucher.
Lassen Sie sich inspirieren durch dieses Gotteshaus und betrachten und lesen Sie die Geschichte und Gegenwart einer der schönsten Barockkirche nördlich der Alpen.
 
Dekan Jung, Ehrendomkapitular
 
 
 

Errichtung der Kirche!

 
Unter den Mannheimer Sehenswürdigkeiten ist die Jesuitenkirche neben dem benachbarten Schloss der wichtigste erhaltene Barockbau des 18. Jahrhunderts.
Nach ihrer „Größe und inneren Auszierung behauptet sie den ersten Rang unter allen Kirchen der Stadt und kann zu den vorzüglichsten kirchlichen Bauwerken deutscher Baukunst gezählt werden“, berichtet uns die „erste genauere Beschreibung der Jesuitenkirche“ von Baumeister Heinrich Bauer aus dem Jahre 1882.
Von 1986 bis zum Ende des Jahres 2003 wurden unter dem seit 1984 amtierenden Pfarrer der Jesuitenkirche und Dekan, Monsignore Horst Schroff, weitgehende Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten im Inneren der Kirche vorgenommen.
Ziel war es, den Zustand der Vorkriegsjahre wieder herzustellen.
1997 war das umfangreichste Vorhaben realisiert:
der ehemals von Peter Anton von Verschaffelt [aus Gent in Flandern; 1710-1793] erbaute Hochaltar. 
Heute birgt die Jesuitenkirche in ihrem Inneren wieder als ein für die Stadt und die katholische Kirche geradezu unersetzbares Kulturgut nicht nur kunsthistorisch bedeutungsvolle Werke wie den rekonstruierten Hochaltar,
die nun auch wieder erstellten alten kurfürstlichen Hoflogen, Meisterstücke des berühmten barocken Bildhauers Paul Egell [1691-1752], sondern auch überaus wertvolle Sakral-, Kunst- und Gebrauchsgegenstände sowie Messgewänder aus den vergangenen 250 Jahren.
 
 

Kirchenbau

 
Der geistige Grundstein der Kirche wurde gelegt, als der Beichtvater des Kurfürsten Carl Philipp, der Jesuit Nikolaus Staudacher [1660 – 1736],
mit der Verlegung des Hofes im Jahre 1720 von Heidelberg nach Mannheim kam.
Staudacher sei ohne Zweifel der Stratege der Mannheimer Jesuiten gewesen,
so der heute an der Mannheimer Jesuitenkirche wirkende Pater Karl Weich über seinen Ordensbruder.
Denn Staudacher habe klug seinen Einfluss bei Hofe eingesetzt und vor dem Hintergrund der bislang eher protestantisch geprägten Stadt „die bietende Gelegenheit zur Ausbreitung der katholischen Sache“ genutzt.
Es gelang Staudacher, sowohl den Bau eines Jesuitenkollegs als auch einer „großen Hofkirche“ im unmittelbaren Bereich des Schlosskomplexes durchzusetzen.
Durch Schenkungsurkunde vom 26. Mai 1727 erhielten die Jesuiten „unter Überweisung einer Handvoll Grund“ den Bauplatz für das Kolleg-Gebäude mit Schule und Kirche.
Der Kurfürst sollte diese Projekte in der Folgezeit in großzügiger Weise unterstützen, indem er die Baukosten übernahm. 
1731 zog die verhältnismäßig kleine Jesuiten-Niederlassung in das Kolleg, einem mächtigen Verbindungstrakt zwischen Schloss und der späteren Hofkirche.
Am 12. März 1733 konnte die Grundsteinlegung für diese Kirche im Stile des Deutschen Barocks mit italienischen Einflüssen gelegt werden.
1737 war auch das Gymnasium in der Kalten Gasse errichtet worden.
Nach dem Tode von Carl Philipp im Jahre 1742 setzte Kurfürst Carl Theodor den Bau der Hofkirche, die später nur noch als Jesuitenkirche bezeichnet werden sollte, im Sinne seines Vorgängers fort. Nach über 20 Jahren Bauzeit wurde sie 1756 fertig gestellt und am 18. Mai 1760 konsekriert.  

Innerhalb weniger Jahre nach Fertigstellung der prächtigen Barockkirche war jedoch die kurfürstliche wie jesuitische Blütezeit in Mannheim bereits beendet. Zunächst erfuhr der Jesuitenorden im Jahre 1773 eine einschneidende Zäsur: Papst Clemens XIV. hob den gesamten Orden auf.
Zwei Jahre später war auch das Mannheimer Jesuitenkolleg endgültig aufgelöst. Französische Lazaristen übernahmen bald darauf die Kirche, bis auch ihr Orden im Jahre 1794 aufgehoben wurde.  
Erst über 180 Jahre später sollte eine zweite Periode der Anwesenheit der 1814 wieder zugelassenen Jesuiten in Mannheim beginnen:
Im September 1947 kam P. Franz Meßbacher SJ zur Unterstützung von Prälat Bauer, dem greisen Pfarrer der Jesuitenkirche, nach Mannheim. Die Anwesenheit des Jesuitenordens dauert bis in die Gegenwart an.
Noch fundamentaler wirkte sich auf Kirche und Stadt eine eher unplanmäßige politische Entwicklung aus: Im Jahre 1777/78 musste Kurfürst Carl Theodor, durch die bayrisch-pfälzischen Erbfolgeverträge verpflichtet, nach München übersiedeln. Kirche und Schloss verloren damit ihre für den Hofstaat so überragende Bedeutung.
Nach dem Wegzug des Hofes bekam die Kirche allmählich eine neue Funktion: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts [1804/5] wurde sie neben der Marktplatzkirche St. Sebastian als zweite katholische Pfarrkirche genutzt und 1842/43 offiziell als neue Pfarrei von Großherzog Leopold von Baden und Erzbischof Hermann von Vicari in Freiburg bestätigt. Von 1864 bis 1893 standen der Kirche Stadtpfarrer Caspar Koch und von 1895 bis 1951 Prälat Joseph Bauer der Kirche vor. Seit 1902 war Bauer als Pfarrer der „ersten und größten Stadtpfarrkirche Mannheims“ zugleich Dekan des neu gebildeten Stadtkapitels. 
Bis heute residieren die Dekane mit wenigen Ausnahmen in der Jesuitenkirche, die die zentrale Repräsentationskirche der Großstadt Mannheim geblieben ist. So wurden u. a. hier zahllose Großereignisse von Kirche und Stadt feierlich begangen.
 
 
 
 

Zerstörung und Wiederaufbau

Im September 1943 ist durch britisch-amerikanisches Bombardement die Jesuitenkirche und ihr Pfarrhaus schwer beschädigt worden; Kuppel, Glockentürme, Glocken, Dachstuhl, Chorraum und Hochaltar, vorderes Kirchenschiff mit seitlichen Emporen, Kanzel, Gestühl, Kommunionbank, vier Beichtstühle, beide Seitenaltäre. Die letzten schweren Schläge brachte ein Angriff am 13. Januar 1945 mit der totalen Zerstörung des Chores mit Hochaltar, Krypta und Sakristei durch Sprengbomben. 
Kurz darauf richtete der Erzbischof von Freiburg, Dr. Conrad Gröber, einen Brief an den Prälaten, dessen Schmerz und Trauer er teilte: „Hochwürdigster, lieber Herr Prälat! Mit großem Bedauern habe ich Ihren Bericht vom 14.Januar gelesen. So ist also auch die Krypta samt dem Hochaltar, Figuren und Säulen verschwunden. Außerordentlich bedaure ich den Tod des Bruders Satyrus und des braven Fräuleins, das in der Kirche viel mitgearbeitet hat und auch des noch unbekannten Arbeiters. Möge es gelungen sein, doch noch das eine oder andere Menschenleben zu retten. [...] Wir können uns nur gegenseitig dem Schutze des Herrgotts empfehlen. Wie traure ich um die wunderschöne Jesuitenkirche, die mir wohl die liebste Kirche der ganzen Diözese gewesen ist.“

Am 1. März 1945 brannte noch das Dach der Kreuzkapelle vollständig ab, so dass die Kapelle für Gottesdienstzwecke nicht mehr genutzt werden konnte. In einem Bericht des Pfarrvikars Brenzinger an das Erzbischöfliche Stadtdekanat am 22. Juni 1945 heißt es: „Die Jesuitenkirche ist buchstäblich verwaist. 
Der größte Teil der Pfarrei ist total zerstört. Der Monat März war durch die rege Lufttätigkeit des Feindes sehr unruhig bei Tag und bei Nacht. [...] Die Erregung in der Stadt ist groß. Mit allerlei Fahrzeugen verlassen viele fluchtartig die Stadt. [...] Schwer geschädigt ist die Jesuitenkirche. Zerstört sind das Pfarrhaus, das Waisenhaus St. Anton, das Luisen-Stephanienhaus, das St. Claraheim, das St. Monikaheim, das Dienstbotenheim St. Maria.“

Prälat Joseph Bauer soll vor den rußgeschwärzten, kahlen Mauern der ehemals wunderschönen Barockkirche gesagt haben: „Was ich persönlich besaß und verlor, ist nur irdischer Plunder, aber meine Kirche... !“ Der Mannheimer Kirchenhistoriker Pfarrer Dr. Karl Anton Straub fasste Jahre später die Nachkriegssituation wie folgt zusammen: „Es sahen doch die Mannheimer Katholiken schmerzlich 17 ihrer damals 22 Kirchen unter Bomben und Flammen in Trümmer hinsinken oder mindestens schwere Schäden hinnehmen.“ In Notkapellen und Behelfseinrichtungen wie Kindergärten seien Gottesdienste abgehalten worden. Es habe lange Zeit am Notwendigsten gemangelt.

Nur äußerst langsam konnte der Wiederaufbau in Angriff genommen werden. So teilte eine provisorische Trennwand bis 1960 den hinteren benutzbaren Teil der Kirche vom zerstörten Chorraum ab. Seit Beginn der sechziger Jahre war der äußere Wiederaufbau abgeschlossen und die Kirche konnte wieder in ihrem Inneren im vollen Umfang in Betrieb genommen werden.

Von 1951 bis 1974 stand der Pfarrei Prälat Karl Nikolaus vor, der ab 1956 auch Dekan des Stadtkapitels war. Sein Nachfolger als Pfarreivorstand sollte ab 1975 Pfarrer Münch werden.
 

Schatzkammer

Wir verdanken den Sachverhalt, dass ein Großteil der Sakral- und Kunstgegenstände sowie der kostbaren Paramente der heutigen Nachwelt überliefert werden konnte, dem klugen Vorgehen des ehemaligen Mesners der Jesuitenkirche, 

Quelle: Cordula Schuhmann

Bruder Satyrus, der in schwierigsten Zeiten, d.h. während der Herrschaft des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, diese Gegenstände in Sicherheit brachte.  
Er teilte vor dem Hintergrund des beginnenden Krieges und der zunehmenden Übergriffe der HJ sowie der verstärkten Beschlagnahmung kirchlichen Eigentums die Befürchtung, dass die Kirche von den Nationalsozialisten geplündert werden könnte. 
So richtete Bruder Satyrus mit viel Weitsicht eine Geheimkammer neben der so genannten Jesuitengruft unter dem Westturm der Jesuitenkirche ein.
 
Die Jesuitengruft diente als Luftschutzkeller für die Kirchenbesucher und das Kirchenpersonal. 
Hinter einer Nottoilette, direkt neben dem Luftschutzkeller, verbarg sich der Zugang dieser Kammer, die Stück für Stück mit den kostbarsten Kulturgütern der Jesuitenkirche gefüllt wurde.
„Als Bauer von dieser Eigenmächtigkeit von Bruder Satyrus hörte, war er keineswegs erzürnt, sondern lobte ausdrücklich den Mesner für dessen beherztes Handeln“, erinnern sich Lothar Schiffmacher und Heinz Lindner.